Ein geheimnisvoller Lost Place, den es in Wirklichkeit gibt, und spannende Einblicke in den Alltag zweier Autorinnen: Die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen erlebten mit dem Autorinnenduo Melissa C. Hill und Anja Stapor eine abwechslungsreiche Lesung.
Die beiden Autorinnen kennen sich bereits seit ihrer Schulzeit. Schon damals entdeckten sie ihre Begeisterung für das Schreiben, später studierten beide in Würzburg und veröffentlichten zunächst unabhängig voneinander erfolgreich Bücher. Mit Lupus Noctis, ihrem ersten gemeinsamen Jugendthriller, erschien 2022 im Dressler Verlag ein Roman, der nicht nur durch seine spannende Handlung, sondern auch durch seinen regionalen Bezug überzeugt.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine Freundesgruppe, die in einem Lost Place – dem ehemaligen Hilfskrankenhaus in Gunzenhausen – ein Abenteuer erlebt. Doch schnell wird klar: Nichts ist so, wie es zunächst scheint. Die Idee zu diesem Schauplatz entstand aus eigenen Jugenderinnerungen der Autorinnen. Beide stammen aus Gunzenhausen und verbrachten ihre Schulzeit am Simon-Marius-Gymnasium. Der Pausenhof befand sich direkt über einem der im Kalten Krieg errichteten Hilfskrankenhäuser. „Am Bunker“ hätten sie sich oft in der Pause getroffen, erzählten sie. Damals wussten sie aber noch nicht, dass es noch zwei weitere solcher Einrichtungen in Gunzenhausen gibt und dass diese für eine mögliche Evakuierung der Krankenhäuser aus Nürnberg und Fürth im Falle eines atomaren Angriffs eingerichtet wurden. Aus dieser Erinnerung und ihrer Vorliebe für das Spiel Werwolf entwickelte sich schließlich die Idee für einen atmosphärischen Jugendthriller, der an die spannenden Romane von Ursula Poznanski erinnert – einer Autorin, die beide selbst gerne lesen.
Während der sehr lebendigen Lesung stellten Melissa C. Hill und Anja Stapor anhand ausgewählter Textstellen zunächst die wichtigsten Figuren vor. Unterstützt wurden sie dabei von sogenannten Character Cards, die der Verlag eigens für den Roman entwickelt hat. Auch das Cover bot einen besonderen Blickfang: Im Innenteil ist der Grundriss des ehemaligen Hilfskrankenhauses abgedruckt. Auch viele Fotos von dem originalen Schauplatz, es ist das Hilfskrankenhaus unter der Berufs- und Wirtschaftsschule, trugen dazu bei, dass die Schülerinnen und Schüler tief in die Geschichte eintauchten.
Mindestens ebenso spannend wie der Roman selbst waren die Einblicke in die Entstehung eines Buches. Die Autorinnen berichteten vom gemeinsamen Schreiben, von der Zusammenarbeit mit ihrer Literaturagentin und dem Verlag sowie vom aufwendigen Entstehungsprozess eines Romans. Besonders wichtig sei zunächst das sogenannte „Plotten“, also die detaillierte Planung der Handlung. Erst danach beginne die eigentliche Schreibarbeit – und die sei deutlich umfangreicher, als viele vermuten.
Das Schreiben im Team habe dabei Vor- und Nachteile, erklärten die beiden. Einerseits müsse vieles miteinander abgestimmt werden, andererseits profitiere man vom ständigen gegenseitigen Feedback. Auch schwierige Entscheidungen ließen sich gemeinsam leichter treffen – etwa wenn Text gekürzt werden müsse. Bei Lupus Noctis fiel am Ende rund ein Sechstel des Manuskripts weg – ein Schritt, der Autorinnen und Autoren nicht leichtfällt.
Nach der eigentlichen Lesung verrieten Melissa C. Hill und Anja Stapor auch, dass inzwischen bereits drei gemeinsame Romane erschienen sind und ein vierter derzeit beim Verlag liegt. Worum es darin gehen wird, bleibt allerdings noch geheim.
Für ein besonderes Erinnerungsfoto standen schließlich Wolfsmasken bereit – passend zum Titel Lupus Noctis und ein gelungener Abschluss einer Lesung, die eindrucksvoll zeigte, wie aus einer Kindheitserinnerung, viel Kreativität und noch mehr Arbeit ein spannender Jugendthriller entstehen kann.